Theatre Daviau Nr. 8 Stephan Sprehe 2025. Öl auf Leinwand. Größe 60 cm x 80 cm

News

Abstrakt Nr.4 – „Abstraktion als organische Architektur“

Abstrakt Nr.4

In dem Gemälde Abstrakt Nr.4 zeigt Stephan Sprehe eindrucksvoll seine Fähigkeit, Komplexität und Rhythmus zu einer harmonischen Einheit zu verdichten. Das Werk entfaltet sich wie ein visuelles Labyrinth: geschwungene Linien, flächige Farbsegmente und ineinander verschränkte Formen erzeugen eine Spannung zwischen organischem Fluss und geometrischer Strenge.

Was zunächst wie eine Explosion aus Farbe und Bewegung wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen eine innere Ordnung. Die geschwungenen weißen Formen dominieren das Bildzentrum und scheinen zugleich Struktur und Bewegung zu sein – sie rahmen, verbinden und durchdringen die farbigen Segmente, als handle es sich um ein atmendes System.

In dieser vielschichtigen Dynamik erinnert das Werk an den späten Fernand Léger, dessen Maschinen-Motive und organische Volumen ebenfalls von rhythmischer Energie getragen werden. Doch Sprehes Ansatz ist freier, intuitiver – er überführt das Maschinelle in etwas Lebendiges, fast Sinnliches. Das Zusammenspiel von Farbe und Bewegung verleiht dem Bild eine eigene Klanglichkeit.

Abstrakt Nr.4 f08da4d8-d76c-4e10-a7f3-9e044678d806

Besonders auffällig ist, wie Sprehe Komplementärkontraste – etwa zwischen Blau und Orange, Grün und Rot – als Spannungsfelder einsetzt, ohne dabei die harmonische Balance zu verlieren. Diese Balance erinnert an Kandinskys Farbpsychologie, in der jedes Farbfeld eine emotionale Schwingung erzeugt. Doch während Kandinsky das Geistige der Kunst betonte, bleibt Sprehe näher am Körperlichen, an der haptischen Wahrnehmung des Raums.

Formal lässt sich eine dialogische Bewegung zwischen Fläche und Raum erkennen: die Farben scheinen zu drängen, die Linien zu atmen. Diese Dynamik macht das Werk zu einem Sinnbild innerer Prozesse – von Chaos und Ordnung, Zersplitterung und Ganzheit. Es ist, als würde der Betrachter Zeuge eines Werdens, einer Form, die sich im Augenblick des Sehens selbst erschafft.

Im unteren Bildbereich tauchen kleinere, fast figürliche Elemente auf – fragile Formen, die wie Betrachter im eigenen Bildraum wirken. Diese subtile Selbstreferenz verleiht dem Werk eine narrative Tiefe, wie sie auch bei Joan Miró oder Arshile Gorky zu finden ist: das Spiel zwischen Abstraktion und Andeutung, zwischen Traum und Struktur.

Stephan Sprehe gelingt hier ein Werk, das sich jeder schnellen Interpretation entzieht. Es fordert Zeit, Blick und Einlassung. In seiner visuellen Dichte erinnert es an eine Partitur – jede Linie ein Klang, jede Fläche ein Akkord. Das Ergebnis ist eine Malerei, die den Dialog zwischen Emotion und Intellekt eröffnet und den Betrachter auffordert, in den Strom der Formen einzutreten.

Dieses Bild ist kein statisches Objekt, sondern ein dynamischer Organismus. Es steht in der Tradition der großen Abstrakten – von Léger über Kandinsky bis hin zu Richter – und behauptet zugleich seine Eigenständigkeit: als Ausdruck einer zeitgenössischen, intuitiven und zugleich hochreflektierten Formensprache.

G. Probst-Thom

6fb71036-b793-4d7c-a9db-52a7fd8f2a56

Abstrakt Nr. 4 von Stephan Sprehe als Klassisches Poster auf halbmattem Papier – 60×80 cm / 24×32″

29,98 
SKU: a028ce27-86e5-45dd-8bc1-eb765d533dff

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert