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Die Wiederkehr des roten Tesla Roadster“ von Stephan Sprehe
Eine zeitgenössische Relektüre von Géricaults „Le Radeau de la Méduse“

Mit „Die Wiederkehr des Roten Tesla Roadster“ legt Stephan Sprehe eine kraftvolle, tief politisierte und zugleich technisch beeindruckende Neudeutung von Théodore Géricaults ikonischem Werk „Le Radeau de la Méduse“ (1819) vor. Während Géricault die nackte Brutalität staatlichen Versagens, kolonialer Hybris und menschlicher Verzweiflung ins Zentrum rückte, transformiert Sprehe dieses historische Sinnbild des Scheiterns zu einem Kommentar über den Zustand der Gegenwart – insbesondere über die USA als globale Macht, deren Selbstverständnis und deren fragiles Verhältnis zur Zukunft.
Formale Wiederaneignung – zwischen Hommage und Bruch
Sprehe übernimmt die Komposition Géricaults mit erstaunlicher Präzision:
- der pyramidenförmige Aufbau aus Körpern,
- der dramatische Himmel,
- die bewegte, unruhige See,
- die Verdichtung menschlicher Gesten zwischen Hoffnung und Auslöschung.
Doch innerhalb dieser vertrauten Struktur verschiebt Sprehe entscheidende visuelle Marker, um den historischen Kontext zu verlassen und eine neue politische Erzählung anzustoßen.
Das amerikanische Symbol als Fanal

Wo Géricault die fiebrige Hoffnung der Schiffbrüchigen auf Rettung inszenierte, zeigt Sprehe eine Figur, die eine US-amerikanische Flagge in den Sturm hält – nicht als Zeichen des Sieges, sondern als fragiles Relikt, das kaum noch Orientierung bietet.
Die Fahne wirkt zerrissen, fast wie ein brennendes Stück Erinnerung an eine einst unangefochtene Machtprojektion.Diese Geste ist radikal: Sie unterläuft das US-amerikanische Narrativ der Unerschütterlichkeit und ersetzt es durch das Bild einer Nation, die selbst nach Orientierung sucht.
Der „Rote Tesla Roadster“ – ein Symbol für Fortschritt, Mythos und Selbsttäuschung

Der titelgebende „Rote Tesla Roadster“, obwohl im Bild selbst nicht dominant präsent, ist als Meta-Idee über der gesamten Szene spürbar:
Er steht für:
- den Tech-Optimismus des 21. Jahrhunderts
- die amerikanische Inszenierung von Fortschritt
- die Idee, man könne der Erde einfach entkommen
- den Kult um visionäre Einzelpersonen
Im Kontext eines Gemäldes über Schiffbrüchige erhält das Symbol eine bittere Note:
Technologie ersetzt nicht die Verantwortung. Innovation ersetzt nicht Moral.
Sprehe zeigt, dass die glorifizierte Zukunftsvision – reiner, technisierter Aufstieg – im Angesicht eines sozial und politisch scheiternden Systems zur Ironie wird.
Der Roadster wird zum abwesenden Protagonisten, dessen Utopie sich als leer entpuppt – und die Menschen zurücklässt.
Politische Dimension – Die USA als Schiffbrüchige der eigenen Ideale
Sprehe greift die narrative Struktur des Originalwerks auf, um den heutigen geopolitischen Zustand zu kommentieren:

Der Zusammenbruch des amerikanischen Versprechens.
Die Schiffbrüchigen stehen sinnbildlich für eine Bevölkerung, deren Glaube an unendlichen Fortschritt erodiert. Die Flagge wirkt nicht rettend – sondern hilflos.
Globale Dominanz im Umbruch. Die USA erscheinen nicht mehr als das ferne Schiff am Horizont, das Rettung bringt, sondern als Teil des Problems: Eine Macht, die Orientierung verloren hat, aber dennoch versucht, mit den alten Symbolen weiter zu segeln. Der Roadster als groteske Hoffnung. Der Gedanke, dass die Zukunft buchstäblich davonfahren könne – ins All, weg von der Realität um dann ab zu stürzen – karikiert den aktuellen Versuch, systemische Probleme mit technischen Visionen zu übertünchen.
Die Menschheit als globales Floß
Sprehe deutet es an: Wir sitzen alle auf demselben morschen Floß.
Die politische Einengung auf ein Land öffnet sich zu einer universellen Warnung über den Zustand der Welt. Die Körper wirken verletzlicher, erschöpfter und farblich kontrastreicher als im Original. Sprehe verstärkt die emotionale Intensität: Die Menschengruppe ist kein heroischer kollektiver Akt mehr, sondern ein chaotisches, von Angst und Überforderung durchzogenes gesellschaftliches Ringen.
Gesamteindruck
„Die Wiederkehr des Roten Tesla Roadster“ ist eine kluge, vielschichtige und zugleich provokative Aktualisierung eines kunsthistorischen Schlüsselwerks. Sprehe schafft es, die Dramatik der Romantik in eine moderne politische Allegorie zu überführen, ohne in platte Symbolik oder reine Anklage zu verfallen.
Das Bild stellt Fragen, statt einfache Antworten zu geben:
- Was ist aus der Hoffnung geworden, die einst von den USA ausging?
- Kann Technologie moralische Leere füllen?
- Wer rettet wen – und wer lässt wen zurück?
- Befinden wir uns alle auf einem globalen Floß, das längst auseinanderbricht?
Sprehe gelingt hier ein Werk, das sowohl ästhetisch beeindruckt als auch intellektuell fordert. Es ist eine moderne Parabel über Macht, Ohnmacht und die Illusion von Fortschritt – und eines seiner bisher stärksten politisch motivierten Werke.
G. Platzek-Tohr
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2 Antworten zu „Die Wiederkehr des roten Tesla Roadster“ von Stephan Sprehe“
es ist ja auch die demonstrativ “weisse” Besatzung die hier untergzugehen droht.
Eine diskrete Antwort auf jedwede Vorstellung von ” Weisser Überlegenheit”Ja gute Feststellung…



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