Werkbeschreibung
Stephan Sprehe (*1970, Freiburg im Breisgau) präsentiert mit “Abstrakt Nr. 6” (2024) ein kraftvolles Beispiel seiner reifen abstrakten Malerei, die sich durch eine außergewöhnliche Balance zwischen gestischer Spontaneität und kompositorischer Kontrolle auszeichnet. Das Werk gehört zu einer fortlaufenden Serie abstrakter Arbeiten, in denen der Künstler die Möglichkeiten reiner Farbmalerei und expressiver Geste auslotet.

Komposition und formale Analyse
Farbdramaturgie Abstrakt Nr. 6
Das Gemälde entwickelt seine visuelle Spannung aus einem elektrisierenden Farbdialog zwischen leuchtendem Zitronengelb, olivgrünem Apfelgrün, tiefem Violett-Purpur und kräftigem Orange. Diese Palette wird durch schwarze, dunkelgraue und weiße Akzente strukturiert und in ihrer Intensität moduliert.
Die zentrale grüne Form – eine ovale, schalenähnliche Gestalt – fungiert als ruhender Pol inmitten eines energetischen Farbwirbels. Ihre Modellierung durch feine schwarze Linien und Schattierungen verleiht ihr eine fast skulpturale Präsenz, als würde ein dreidimensionales Objekt in die zweidimensionale Bildfläche hineinragen.
Gestische Malweise
Sprehes Pinselführung ist von bemerkenswerter Direktheit und Entschiedenheit geprägt. Breite, schwungvolle Striche in Gelb und Weiß schaffen Bewegung und Lichtreflexe, während schwarze, kalligrafische Linien wie spontane Zeichnungen über die Farbflächen tanzen. Diese gestische Qualität erinnert an die Action Painting der amerikanischen Nachkriegsmoderne, doch Sprehe kombiniert diese Freiheit mit einer europäischen Sensibilität für Farbe und Form.
Besonders bemerkenswert sind die Farbübergänge: Das Gelb morphiert in Orange, das Grün changiert zwischen Olive und hellem Lindgrün, Violett und Purpur verschmelzen – all dies geschieht in flüssigen, aquarellartigen Passagen, die die pastose Ölmalerei kontrastieren.
Räumliche Ambiguität
Trotz der Flächigkeit abstrakter Malerei erzeugt Sprehe eine subtile räumliche Tiefe. Die zentrale grüne Form scheint zu schweben oder nach vorne zu kippen, während die umgebenden Farbfelder wie Lichtquellen oder atmosphärische Phänomene wirken. Schwarze Konturen und Schatten verstärken diesen Eindruck dreidimensionaler Präsenz.
Künstlerische Referenzen und Kontextualisierung Abstrakt Nr. 6
Historische Verortung von Abstrakt Nr. 6
“Abstrakt Nr. 6” lässt sich in die große Tradition der europäischen abstrakten Malerei des 20. und 21. Jahrhunderts einordnen. Man denkt unweigerlich an:
Wassily Kandinsky – die Befreiung der Farbe vom Gegenstand, die musikalische Orchestrierung von Farbtönen
Willem de Kooning – die energetische Geste, die zwischen Abstraktion und Andeutung oszilliert
Gerhard Richter (abstrakte Werkphase) – die Spannung zwischen Kontrolle und Zufall, zwischen Konstruktion und Auflösung
Cy Twombly – die kalligrafischen schwarzen Linien, die wie Schrift über Farbflächen gleiten
Doch Sprehe synthetisiert diese Einflüsse zu einer eigenständigen Bildsprache, die weder illustrativ noch rein expressiv ist, sondern einen dritten Weg zwischen struktureller Klarheit und emotionaler Intensität findet.
Zeitgenössischer Diskurs
In der aktuellen Kunstlandschaft, die oft von konzeptuellen oder digitalen Praktiken dominiert wird, behauptet Sprehe die Relevanz der gestischen Malerei neu. Seine Arbeiten verteidigen die Haptik, die Materialität, die physische Präsenz von Farbe auf Leinwand – Qualitäten, die in einer zunehmend virtualisierten Welt an Bedeutung gewinnen.
Interpretation und Lesarten
Organische Abstraktion
Die zentrale grüne Form lädt zu vielfältigen Assoziationen ein:
- Eine Schale oder Gefäß – archetypisch, feminin, bergend
- Ein Blatt oder Samenkorn – organisches Wachstum, Naturprozess
- Ein architektonisches Fragment – eine Schüssel, eine Kuppel von oben gesehen
- Ein kosmisches Ereignis – ein Planet, ein Krater, eine Galaxie
Diese Vieldeutigkeit ist programmatisch: Sprehe bietet keine eindeutige narrative an, sondern öffnet Assoziationsräume, die jeder Betrachter individuell füllen kann.
Energetische Felder
Die umgebenden Farbbereiche wirken wie energetische Felder oder Lichtauren:
- Das Gelb strahlt Wärme, Optimismus, solare Energie aus
- Das Violett bringt Tiefe, Spiritualität, Transformation
- Das Orange vermittelt zwischen Gelb und Rot, zwischen Feuer und Licht
- Das Schwarz gibt Struktur, Erdung, graphische Prägnanz
Das Bild oszilliert zwischen Ausdehnung und Kontraktion, zwischen Explosion und Implosion – eine visuelle Metapher für grundlegende Lebensprozesse.
Ostasiatische Resonanzen
Die schwarzen, kalligrafischen Linien, besonders im oberen Bildbereich, erinnern an ostasiatische Tuschmalerei. Diese Verbindung von westlichem Farbexpressionismus und fernöstlicher Linearität schafft eine interkulturelle Dimension, die Sprehes kosmopolitische künstlerische Haltung reflektiert.
Maltechnik und Materialität Abstrakt Nr. 6
Schichtung und Prozess Abstrakt Nr. 6
Das Gemälde offenbart einen komplexen Entstehungsprozess:
- Untermalung in hellen Tönen (Weiß, helles Gelb)
- Farbfeldmalerei – die großen Flächen in Grün, Gelb, Orange, Violett
- Schwarze Konturierungen – die definierenden Linien der zentralen Form
- Gestische Übermalungen – spontane Pinselstriche und Spritzer
- Finale Akzentuierungen – weiße Highlights, letzte schwarze Linien
Diese Vielschichtigkeit ist charakteristisch für Sprehes Arbeitsweise: Das Bild entsteht nicht in einem Zug, sondern in einem dialogischen Prozess, in dem frühere Schichten durchschimmern und mit späteren interagieren.
Materialeinsatz
Die Verwendung von Ölfarbe ermöglicht sowohl pastose, reliefhafte Partien als auch transparente, lasierende Passagen. Sprehe nutzt das volle Spektrum der Möglichkeiten dieses traditionellen Mediums:
- Dick aufgetragene Farbe (Impasto) erzeugt taktile Oberflächen
- Verdünnte Farbe fließt und bildet aquarellartige Effekte
- Rakelspuren schaffen lineare Strukturen
- Spritztechnik bringt spontane Akzente
Kontextualisierung im Œuvre
Serie “Abstrakt” (2023-2025)
“Abstrakt Nr. 6” gehört zu einer fortlaufenden Serie, in der Sprehe die Grenzen nonfigurativer Malerei erkundet. Im Vergleich zu seinen figurativen Arbeiten (wie der “Théâtre Daviau”-Serie oder den gegenständlichen Kompositionen) zeigt sich hier:
Gemeinsamkeiten:
- Die Liebe zur intensiven Farbe
- Die expressive Pinselführung
- Die Spannung zwischen Kontrolle und Zufall
- Die Schichtung von Bildebenen
Unterschiede:
- Freiere Komposition ohne figurative Anker
- Spontaneität steht im Vordergrund
- Offenheit der Interpretation – keine narrative Festlegung
- Größere Nähe zum Prozess – das Entstehen ist sichtbarer
Künstlerische Entwicklung
Diese abstrakten Arbeiten markieren einen wichtigen Aspekt in Sprehes künstlerischer Praxis: die parallele Verfolgung figurativer und abstrakter Ansätze. Statt sich auf eine Richtung festzulegen, nutzt er beide Modi als sich gegenseitig befruchtende Pole.
Die figurativen Arbeiten schärfen seinen Blick für Form, Struktur und Proportion, während die abstrakten Werke seine Farbsensibilität und gestische Freiheit entwickeln. Diese Dialektik macht die Stärke seines Gesamtwerks aus.
Sammlerperspektive
Für Sammler bietet dieses Werk:
Investitionswert:
- Arbeiten eines etablierten regionalen Künstlers mit wachsender Reputation
- Zeitgenössische abstrakte Malerei – ein stabiles Segment des Kunstmarkts
- Qualitativ hochwertig – professionelle Ausführung, archivfeste Materialien
Emotionaler Wert:
- Energetisierend – bringt Lebendigkeit in Wohn- oder Büroräume
- Vielseitig – passt zu modernen und klassischen Interieurs
- Gesprächsanregend – lädt zu unterschiedlichen Interpretationen ein
Praktischer Wert:
- Mittelformat – gut integrierbar in verschiedene Raumkonzepte
- Keine extreme Fragilität – Ölmalerei auf Leinwand ist robust
- Zeitlose Ästhetik – nicht an kurzlebige Trends gebunden
Kritische Würdigung
Stärken
Farbliche Brillanz – die Palette ist mutig, aber harmonisch orchestriert
Kompositorisches Gleichgewicht – trotz gestischer Freiheit ist die Bildarchitektur stabil
Technische Virtuosität – meisterhafte Beherrschung verschiedener Maltechniken
Emotionale Authentizität – das Bild wirkt nicht konstruiert, sondern aus einem inneren Impuls heraus gemalt
Visuelle Komplexität – bei wiederholter Betrachtung offenbaren sich immer neue Details
Vergleichende Betrachtung
Im Dialog mit Zeitgenossen
Platziert man “Abstrakt Nr. 6” neben Werken zeitgenössischer abstrakter Maler, zeigt sich:
Katharina Grosse (abstrakte Farbexplosionen) – ähnliche Freude an reiner Farbe, aber Sprehe strukturierter
Gerhard Richter (späte abstrakte Arbeiten) – beide nutzen Schichtung, aber Sprehe emotionaler
Sean Scully (geometrische Abstraktion) – Sprehe organischer, weniger streng
Anselm Reyle (neo-expressiv) – ähnliche Energie, aber Sprehe weniger ironisch
Sprehe findet seinen Platz in einer Mittelposition: weniger konzeptuell als Richter, weniger streng als Scully, weniger provokant als Reyle – dafür unmittelbarer, sinnlicher, zugänglicher.
Fazit und Empfehlung
Ideal für:
- Sammler abstrakter Malerei der Gegenwart
- Liebhaber intensiver Farbmalerei
- Corporate Collections (Büros, Hotels, öffentliche Räume)
- Privatsammler mit modernem Einrichtungsstil
- Kunstliebhaber, die Authentizität über konzeptuelle Komplexität stellen
Technische Daten
Titel: Abstrakt Nr. 6
Künstler: Stephan Sprehe (*1970, Freiburg im Breisgau)
Jahr: 2024
Medium: Öl auf Leinwand
Format: 60x80cm
Signatur: Rechts unten “StSp” Monogramm
Serie: Abstrakte Arbeiten 2023-2025
Provenienz: Atelier des Künstlers
Zustand: Ausgezeichnet, neuwertig
Verfügbarkeit: [Verfügbar]
Preis auf Anfrage
Kontakt:
Stephan Sprehe Art
Kronenstr. 16
79100 Freiburg im Breisgau
Deutschland
Web: stephansprehe.com
E-Mail: [email protected]
Tel: +49 761 1562277
Diese Rezension wurde verfasst für Galerie- und Sammler-Informationen. Alle Rechte am Werk liegen beim Künstler Stephan Sprehe.
Hinweis für Interessenten: Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich. Wir bieten auch Beratung zu weiteren Werken der abstrakten Serie sowie zu Sprehes figurativen Arbeiten an.
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Abstrakt Nr. 6 Stephan Sprehe Poster auf halbmattem Papier
Abstrakt Nr. 6 Öl auf Leinwand von Stephan Sprehe



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