Das neuestes Werk von Stephan Sprehe, Collage Nr. 2, ist eine radikale Weiterführung seiner ‚Ästhetik der Störung‘. Auf den ersten Blick wirkt die Leinwand wie ein digitaler Stream, der im Moment des maximalen Kontrastes eingefroren wurde.

Zentral steht die menschliche Physis in all ihrer Ambivalenz: Der massige, fast anonyme Torso im oberen Bilddrittel bildet den schweren Anker für eine darunterliegende Welt aus glänzenden Oberflächen und harten Realitäten. Besonders faszinierend ist Sprehes Umgang mit kulturellen Codes. Der American-Football-Spieler – Symbol für physische Übermacht und kommerzialisiertes Spektakel – wird flankiert von zwei Jungen Kindersoldaten, deren ernste Blicke eine soziale Schwere in das Bild bringen, die im scharfen Kontrast zur liegenden, fast klassisch-akademischen Aktdarstellung im Vordergrund steht.
Das Bild als Spiegel Collage Nr. 2
Wir sind alle in diesem Bild
Das Werk funktioniert wie ein Spiegel unserer visuellen Realität:
- Jeden Tag sehen wir Hunderte solcher Bilder – auf Bildschirmen, in Werbung, auf Social Media
- Sie bedeuten nichts und alles zugleich
- Sie sind austauschbar, aber allgegenwärtig
- Sie formen unsere Wünsche, Ängste, Identitäten
Sprehe zwingt uns, innezuhalten vor diesem Bilderstrom, den wir normalerweise scrollend konsumieren. Indem er ihn malt (ein langsamer, arbeitsintensiver Prozess), gibt er diesen flüchtigen Bildern eine Materialität und Dauer, die sie in ihrer digitalen Existenz nicht haben.
Sprehe malt nicht einfach nur ab; er dekonstruiert. Das kleine Fernsehgerät mit dem Farbbalken-Testbild fungiert als metaphorisches Zentrum: Es markiert den Punkt der Sendepause, das Innehalten in einer Welt der permanenten Bilderflut. Zwischen Autoreifen und Wasserflaschen – den Relikten einer mobilen Konsumgesellschaft – stellt Sprehe die Frage nach dem Wert des Individuums.
Es ist eine wohlwollende Provokation. Sprehe vertraut auf die Kraft des Realismus, um das Surreale unseres Alltags offenzulegen. Collage Nr. 2 ist ein vielschichtiges, klug komponiertes Werk, das zeigt, dass gegenständliche Malerei im Jahr 2024 lebendiger und notwendiger ist denn je.“ Weitere Figurative Bilder.
Weitere Informationen zum Künstler und Einblicke in sein Portfolio finden Sie unter www.stephansprehe.com.
Kunsthistorische Referenzen Collage Nr. 2
Pop Art und Appropriation
Richard Hamilton – “Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?” (1956) → Collage aus Magazinausschnitten, Konsumkritik
James Rosenquist – monumentale Werbebild-Collagen → Fragmentierung, Größenunterschiede, Überwältigung
David Salle – disparate Bildwelten überlagert → Keine narrative Kohärenz, nur visuelle Intensität
John Baldessari – Appropriation von Found Images → Künstlerische Aneignung von Massenbildern
Hyperrealismus trifft Konzept
Gerhard Richter (Atlas-Projekt) – Sammlung von Fundbildern → Archiv der Bilderwelt, ohne Hierarchie
Franz Gertsch – hyperrealistische Malerei von Fotografien → Was bedeutet es, etwas so perfekt zu malen?
Neo Rauch – surreale Bildwelten in realistischer Technik → Traumlogik statt rationaler Narration



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