In seinem jüngsten Werk “Müllmann” (2024) widmet sich Stephan Sprehe (*1970) einem Sujet, das auf den ersten Blick unscheinbar erscheinen mag, doch bei näherer Betrachtung eine tiefgreifende kunsthistorische Resonanz und eine eindringliche zeitgenössische Aussagekraft entfaltet. Sprehe, bekannt für seine präzisen Beobachtungen und die bewusste Störung von Erwartungshaltungen durch radikale Farbtheorie, erhebt hier eine alltägliche Figur in den Rang eines ikonischen Porträts.

Das Gemälde zeigt einen Müllmann in Seitenansicht, dessen Gestalt durch die charakteristische Arbeitskleidung – eine leuchtend orangefarbene Warnweste, blaue Hose und Stiefel sowie eine rote Kappe und einen Mundschutz – klar definiert ist. Die Figur ist in einen Moment der stillen Tätigkeit versunken, den Blick nach unten gerichtet, während sie einen halbtransparenten blauen Müllsack hält. Die Komposition ist bewusst reduziert, der Hintergrund ist ein neutrales, helles Grau, das die Figur isoliert und ihre Präsenz verstärkt. Diese Isolation erinnert an die Porträttradition der Renaissance, wo Figuren oft vor einem schlichten Hintergrund platziert wurden, um ihre Individualität und Würde hervorzuheben.
Expressiven Kraft der Farben
Sprehes meisterhafte Anwendung von Öl auf Leinwand zeigt sich in der plastischen Modellierung der Formen und der expressiven Kraft der Farben. Das leuchtende Orange der Weste und das tiefe Blau der Kleidung sind nicht nur deskriptiv, sondern tragen eine symbolische Last. Sie sind Farben der Sichtbarkeit und der Arbeit, die hier eine fast heroische Qualität annehmen. Die Textur der Kleidung, insbesondere die reflektierenden Streifen der Warnweste, wird mit einer Detailgenauigkeit wiedergegeben, die an den Realismus des 19. Jahrhunderts erinnert, etwa an die Werke von Gustave Courbet, der ebenfalls die Arbeiterklasse in den Mittelpunkt seiner Kunst stellte und ihnen eine neue Form der Würde verlieh. (Bsp. : Gustave Courbet – “Die Steinklopfer“)
Besonders bemerkenswert ist die Darstellung des Müllsacks. Seine halbtransparente, bläuliche Erscheinung lässt den Inhalt nur erahnen und verleiht dem Objekt eine geheimnisvolle, fast ätherische Qualität. Der Sack wird nicht als bloßer Behälter für Abfall gezeigt, sondern als ein integraler Bestandteil der Tätigkeit und der Identität des Müllmanns. Dies kann als eine Anspielung auf die Stillleben-Tradition verstanden werden, in der alltägliche Gegenstände zu Trägern tieferer Bedeutungen werden.
Die Corona-Pandemie und “systemrelevante Berufe“
Das Werk entstand 2024/25, Jahre nach der COVID-19-Pandemie, die das Bewusstsein für systemrelevante Berufe geschärft hatte. Plötzlich wurde sichtbar, wer die Gesellschaft am Laufen hält:
- Nicht die Manager und Consultants im Home-Office
- Sondern die Müllwerker, Kassiererinnen, Pflegekräfte, Lieferfahrer
Doch nach dem Ende der Krise ist diese Sichtbarkeit wieder verschwunden. Die Applaus-Gesten waren schnell vergessen. Die Löhne blieben niedrig.
Sprehes “Müllmann” wirkt wie eine Mahnung: Vergesst nicht, wer eure Infrastruktur trägt.
Neue Figurative Malerei
“Müllmann” steht in der Tradition der Neuen Leipziger Schule und zeitgenössischer figurativer Malerei:
Neo Rauch – monumentale Arbeiter-Figuren in surrealen Kontexten Michaël Borremans – anonymisierte Figuren, gedämpfte Palette Luc Tuymans – Geschichte und Erinnerung in reduzierten Bildern Marlene Dumas – Identität und Anonymität
Doch Sprehe ist direkter, weniger verschlüsselt als diese Künstler. Sein Realismus ist handfester, zugänglicher – was das Werk nicht weniger komplex macht.
Social Realism 2.0
Man könnte von einem Neuen Sozialen Realismus sprechen:
- Nicht die Verklärung der Arbeiterbewegung (wie im Sozialistischen Realismus)
- Nicht die Distanz der Dokumentarfotografie
- Sondern: Empathische Beobachtung ohne Sentimentalität
Stephan Sprehe gelingt es in “Müllmann”, das Profane zu transzendieren und eine Hommage an die unsichtbaren Helden des Alltags zu schaffen. Das Werk ist ein kraftvolles Statement über die Würde der Arbeit und die soziale Relevanz jener, die oft übersehen werden. Es reiht sich ein in eine lange kunsthistorische Tradition, die das Menschliche in all seinen Facetten feiert, und bestätigt Sprehes Position als ein Künstler, der die Brücke zwischen klassischer Darstellung und zeitgenössischer Reflexion meistert. “Müllmann” ist somit nicht nur ein Bild, sondern ein Denkmal für die stille Leistung und die unverzichtbare Rolle, die diese Figur in unserer Gesellschaft spielt.
By Manus
Müllmann Klassisches Poster auf halbmattem Papier. Ölbild
Müllmann Poster. Erlebe Kunst, die sich seidig anfühlt mit unserem hochwertigen, leichteren, klassischen halbmatten Papier. Das Gemälde zeigt einen Müllmann in Seitenansicht, dessen Gestalt durch die charakteristische Arbeitskleidung – eine leuchtend orangefarbene Warnweste, blaue Hose und Stiefel sowie eine rote Kappe und einen Mundschutz – klar definiert ist. Die Figur ist in einen Moment der stillen Tätigkeit versunken, den Blick nach unten gerichtet, während sie einen halbtransparenten blauen Müllsack hält. Die Komposition ist bewusst reduziert, der Hintergrund ist ein neutrales, helles Grau, das die Figur isoliert und ihre Präsenz verstärkt. Diese Isolation erinnert an die Porträttradition der Renaissance, wo Figuren oft vor einem schlichten Hintergrund platziert wurden, um ihre Individualität und Würde hervorzuheben.



Schreibe einen Kommentar