Beschreibung
Glascontainer Stephan Sprehe 2024 Öl auf Leinwand
Stephan Sprehe präsentiert mit “Glascontainer” (2024) eine eindrucksvolle Studie urbaner Alltäglichkeit, die den Betrachter mit unerwarteter Intensität in Bann zieht. Das Werk zeigt drei nebeneinanderstehende Altglas Container, deren Oberflächen von einer Vielzahl von Graffiti-Tags, Schriftzügen und spontanen Kritzeleien überzogen sind – ein authentisches Abbild städtischer Subkultur und alltäglicher Vergänglichkeit.
Das Alltägliche als Kunstobjekt
Sprehe folgt einer langen Tradition der Nobilitierung des Banalen, die von den Realisten des 19. Jahrhunderts über Marcel Duchamps Ready-mades bis zur Pop Art reicht. Doch während Duchamp das Alltägliche durch Kontextwechsel zum Kunstwerk erklärte, malt Sprehe es mit einer fast hyperrealistischen Akribie, die das Gewöhnliche außergewöhnlich macht.
Die Glascontainer werden zu Monumenten des Alltags, zu Skulpturen der Wegwerfgesellschaft. Sie sind gleichzeitig Zeichen ökologischen Bewusstseins (Recycling) und Symbol der Überflussgesellschaft. Die kreisrunden Einwurf Öffnungen wirken wie leere Augen – blindings windows – die auf uns zurückblicken, stumme Zeugen unserer Konsumgewohnheiten.
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Eigenschaften:
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- Verpackung: Wird in einer robusten Schutzverpackung verschickt.
- Druck & Versand: Print-on-Demand ohne Mindestbestellmenge.


















admin –
Kunstrezension: “Glascontainer” von Stephan Sprehe (2024)
Werkbeschreibung
Stephan Sprehe präsentiert mit “Glascontainer” (2024) eine eindrucksvolle Studie urbaner Alltäglichkeit, die den Betrachter mit unerwarteter Intensität in Bann zieht. Das Werk zeigt drei nebeneinanderstehende Altglascontainer, deren Oberflächen von einer Vielzahl von Graffiti-Tags, Schriftzügen und spontanen Kritzeleien überzogen sind – ein authentisches Abbild städtischer Subkultur und alltäglicher Vergänglichkeit.
Oberflächenbehandlung
Die meisterhafte Darstellung der verkratzten, besprühten und beschmierten Oberflächen zeigt Sprehes technische Virtuosität. Jeder Kratzer, jeder Farbauftrag, jede Überlagerung von Tags erzählt eine Geschichte zeitlicher Schichtung. Die Graffiti sind keine bloßen Verzierungen, sondern werden zu einem Palimpsest urbaner Kommunikation – Zeichen ohne eindeutige Referenz, Codes einer verschlüsselten Sprache.
Besonders bemerkenswert: Die unterschiedlichen Texturen und Alterungsspuren. Links die diagonal verlaufenden rot-weißen Warnstreifen (vermutlich von Absperrband), in der Mitte der prominente “Brau”-Schriftzug über dem “G.FORGE”-Tag, rechts das optimistische Sonnensymbol – jede Oberfläche ein eigenes Narrativ.
Ikonografie und Bedeutungsebenen
Das Alltägliche als Kunstobjekt
Sprehe folgt einer langen Tradition der Nobilitierung des Banalen, die von den Realisten des 19. Jahrhunderts über Marcel Duchamps Ready-mades bis zur Pop Art reicht. Doch während Duchamp das Alltägliche durch Kontextwechsel zum Kunstwerk erklärte, malt Sprehe es mit einer fast hyperrealistischen Akribie, die das Gewöhnliche außergewöhnlich macht.
Die Glascontainer werden zu Monumenten des Alltags, zu Skulpturen der Wegwerfgesellschaft. Sie sind gleichzeitig Zeichen ökologischen Bewusstseins (Recycling) und Symbol der Überflussgesellschaft. Die kreisrunden Einwurföffnungen wirken wie leere Augen – blindings windows – die auf uns zurückblicken, stumme Zeugen unserer Konsumgewohnheiten.
Graffiti als soziale Sedimentierung
Die überlagernden Graffiti-Schichten funktionieren als eine Art archäologische Dokumentation urbaner Subkultur. Namen wie “G.JORGE”, diverse Tags, Kritzelzeichen – jeder Eingriff markiert einen Moment menschlicher Präsenz, den Drang nach Sichtbarkeit in einer anonymen Stadtlandschaft.
Interessant ist die Ambivalenz dieser Markierungen: Sind sie Vandalismus oder Volkskunst? Verschandelung oder authentische künstlerische Äußerung? Sprehe beantwortet diese Frage nicht, sondern präsentiert sie als ästhetisches Phänomen in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit.
Der neutrale Hintergrund
Die Platzierung der Container vor einem strukturierten, aber unspezifischen beige-grauen Wandhintergrund ist programmatisch. Diese Abstrahierung enthebt die Container ihrem konkreten Standort und verwandelt sie in universelle Symbole. Sie könnten überall stehen – in Freiburg, Hamburg, Wien. Die leicht texturierte Wand (möglicherweise eine Betonwand mit Altersspuren) bildet einen ruhigen Kontrapunkt zum chaotischen Vordergrund.
Stilistische Einordnung
Fotorealismus mit expressiver Note
Sprehes Malweise bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Fotorealismus und malerischer Interpretation. Die Präzision der Darstellung, die exakte Wiedergabe von Lichtreflexen auf den Metalloberflächen, die detailgetreue Erfassung der Graffiti – all das zeugt von einer Beherrschung realistischer Maltechniken.
Gleichzeitig bleibt der Pinselduktus an manchen Stellen sichtbar, die Farbaufträge variieren in ihrer Pastosität, und die leichte Unschärfe an den Rändern verhindert eine rein dokumentarische Wirkung. Dies verleiht dem Werk eine subjektive, malerische Qualität, die über bloße Abbildung hinausgeht.
Verwandtschaften und Referenzen
Man denkt unweigerlich an:
Gerhard Richters frühe fotorealistische Arbeiten – die Spannung zwischen Malerei und Fotografie
Edward Hopper – die stille Monumentalität alltäglicher Szenen
Die Neue Sachlichkeit – kühle, distanzierte Beobachtung der Realität
Banksy und Street Art – wobei Sprehe die Street Art nicht praktiziert, sondern sie zum Sujet erhebt
Besonders interessant ist der Dialog mit der Appropriation Art: Sprehe appropriiert nicht nur ein alltägliches Objekt, sondern auch die darauf befindlichen spontanen künstlerischen Äußerungen anderer (der Graffiti-Sprayer).
Soziale und kulturelle Dimensionen
Kritik der Konsumgesellschaft
Die Glascontainer sind Knotenpunkte im Stoffkreislauf unserer Gesellschaft. Sie stehen für:
Ökologisches Bewusstsein (Recycling)
Überflussgesellschaft (die Menge an Glasabfall)
Öffentlicher Raum (gemeinschaftliche Infrastruktur)
Anonymität (jeder wirft ein, niemand ist verantwortlich)
Sprehe zeigt sie nicht in ihrer funktionalen Sauberkeit, sondern in ihrem tatsächlichen Zustand: bekritzelt, beschmiert, gezeichnet von Gebrauch und Missbrauch. Dies ist keine idealisierende, sondern eine realistische – und damit auch kritische – Darstellung.
Urbane Identität
Die Graffiti repräsentieren den Versuch marginalisierter oder jugendlicher Stimmen, im öffentlichen Raum sichtbar zu werden. Die Tags sind persönliche Signatur und territoriale Markierung zugleich. Sprehe dokumentiert diese Form urbaner Kommunikation ohne Wertung, aber mit Respekt vor ihrer Authentizität.
Technische Brillanz
Licht und Schatten
Die Lichtführung ist meisterhaft: Eine diffuse, leicht von links kommende Lichtquelle modelliert die Volumina der Container und lässt sie plastisch vor dem Hintergrund hervortreten. Die Schatten sind nicht hart, sondern weich und atmosphärisch, was dem Werk eine gewisse Intimität verleiht trotz der monumentalen Objekte.
Besonders gelungen sind die Lichtreflexe auf den metallenen Verschlüssen und Öffnungen – kleine Details, die die Materialiät spürbar machen.
Perspektive
Die leicht von oben eingenommene Perspektive (Augenhöhe eines stehenden Betrachters) schafft eine natürliche Beziehung zwischen Bild und Rezipient. Wir schauen auf diese Container, wie wir es im Alltag tun würden – en passant, aber hier gezwungen innezuhalten und genauer hinzusehen.
Kontextualisierung im Œuvre
Im Vergleich zu Sprehes anderen Arbeiten (die abstrakten Kompositionen, die figurativen Werke der “Théâtre Daviau”-Serie) markiert “Glascontainer” einen Ausflug in den gegenständlichen Realismus mit dokumentarischem Charakter.
Dennoch bleiben Kontinuitäten erkennbar:
Die Liebe zum Detail
Die Auseinandersetzung mit Oberflächen und Texturen
Das Interesse an Schichtungen (hier zeitlich/sozial, in abstrakten Werken formal)
Die Farbsensibilität – auch gedeckte Töne werden differenziert und nuanciert eingesetzt